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Person arbeitet an virtueller Chart

IT-Trendthemen 2026

Regulatorik, produktive KI und digitale Resilienz bestimmen die IT-Agenda.

2026 wird zum Jahr der IT-Mindeststandards

EDITEL-CIO Alexander Schäfer erklärt im Interview mit der IT-Welt, warum Unternehmen jetzt handeln müssen.

„Wer 2026 noch glaubt, IT-Trends wären nur Technologie, hat spätestens 2027 ein Compliance-Problem“, sagt Alexander Schäfer im Gespräch mit der IT-Welt. Das kommende Jahr werde stark von neuen Vorgaben geprägt: NIS2, DORA, TISAX, Data Act, AI Act oder der Cyber Resilience Act setzen neue Mindeststandards für Unternehmen. Schäfer betont, dass diese Anforderungen keine bloßen Bürokratieübungen seien. Sie entscheiden zunehmend darüber, ob Lieferketten funktionieren, Geschäftsbeziehungen stabil bleiben und Produkte am Markt bestehen können.
 

Automatisierung endet nicht an der Unternehmensgrenze

Gleichzeitig sieht der EDITEL-CIO enormes Potenzial in der End-to-End-Prozessautomatisierung über Unternehmensgrenzen hinweg. Die größten Effizienzsprünge entstünden dort, wo Datenflüsse zwischen Partnern reibungslos funktionieren – durch die Kombination aus EDI, APIs und Web-Portalen. „Wer B2B-Integration wie ein Produkt betreibt – mit Onboarding, Monitoring, SLA und Security – skaliert“, so Schäfer. Wer Integration hingegen nur als einmaliges Projekt verstehe, verliere langfristig an Geschwindigkeit und Wettbewerbsfähigkeit.
 

KI 2026: Pflicht, aber nur mit messbarem Nutzen

Künstliche Intelligenz bleibt auch 2026 ein dominierendes Thema. Schäfer warnt jedoch davor, dass viele Unternehmen seit Jahren in einer Schleife aus Proof-of-Concepts stecken bleiben. „Wenn ein KI-Use-Case keinen messbaren KPI hat, ist es kein Projekt, sondern ein teures Experiment“, sagt er. Entscheidend seien klare Ziele, definierte Datenverantwortung, Qualitätsmessung sowie ein Betriebskonzept mit Monitoring und Human-in-the-Loop-Regeln. Nur so werde KI vom Showpiece zur echten Wertschöpfung.
 

Digitale Souveränität braucht einen Plan B

Auch geopolitische Entwicklungen beeinflussen die IT-Strategie vieler Unternehmen. Europas Abhängigkeit von US-Anbietern werde zunehmend kritisch gesehen. Schäfer beschreibt die Situation als paradox: Digitale Souveränität werde diskutiert, aber oft beim selben Anbieter als Zusatzpaket eingekauft. „Wer keinen Plan B hat, ist nicht Cloud-first, sondern Cloud-gefangen“, betont er. Unternehmen müssten kritische Abhängigkeiten transparent machen und bewusst entscheiden, wo Bindungen sinnvoll sind – und wo Alternativen notwendig bleiben.
 

FreightLogs: Digitalisierung im Transport als Praxisbeispiel

Ein Highlight aus dem Jahr 2025 war für EDITEL das neue Produkt FreightLogs. Damit erschließt das Unternehmen digitale Frachtdokumente wie eCMR und den digitalen Lieferschein – ein Zukunftsthema, denn im Straßentransport dominiert vielerorts noch Papier. Digitalisierung bedeute hier ganz konkret weniger Fehler, schnellere Durchlaufzeiten und bessere Nachverfolgbarkeit entlang der gesamten Transportkette.
 

EDITEL-Schwerpunkt 2026: Schnittstellen in der Wertschöpfungskette

Für 2026 setzt EDITEL den Fokus dort, wo viele Unternehmen noch blinde Flecken haben: an den Schnittstellen zwischen Organisationen. Intern seien viele Prozesse bereits gut digitalisiert, doch zwischen Kunden und Lieferanten entstehen weiterhin Medienbrüche, manuelle Workarounds und unnötige Reibungsverluste. Das Ziel: Daten sollen entlang der Wertschöpfungskette sauber, standardisiert und automatisiert fließen – von der Rohstoffseite bis zum Endkunden. 
 

Lehren aus 2025: Security bleibt Dauerbetrieb

Aus dem IT-Jahr 2025 nimmt Schäfer drei zentrale Erkenntnisse mit: Komplexität bremst Geschwindigkeit, Security ist kein Projekt, sondern Dauerbetrieb – und KI wird 2026 zunehmend als eingebettete Intelligenz in Produkten und Services auftauchen. Sein Wunsch für die Zukunft: eine Welt mit weniger Cyberbedrohungen und vor allem einheitliche EU-Standards statt 27 nationaler Sonderwege.

 

 

Alexander Schaefer

Chief Information Officer EDITEL Austria

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